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DREFA MSG sichert 90.000 Minuten "Tagesschau"
Historische Beiträge der "Tagesschau" aus den Jahren 1955 bis 1972 werden für die Nachwelt bewahrt
Vor den Augen von Steffen Hofmann laufen unzählige Bilder, die Geschichte gemacht haben. Der Bau der Berliner Mauer, der Krieg in Vietnam oder das Attentat während der Olympischen Spiele 1972. „Das ist jeden Tag acht Stunden Geschichtsunterricht“, sagt der Leiter der Außenstelle Filmsicherung Halle der DREFA Media Service GmbH. In einem Pilotprojekt der ARD werden hier für den Norddeutschen Rundfunk „Tagesschau“-Sendungen aus den Jahren 1955 bis 1972 mechanisch aufbereitet, gesichert und auf digitale Datenträger gespeichert, um sie für die Nachwelt zu erhalten. Seit Ende letzten Jahres läuft im Bereich Filmsicherung die Arbeit auf Hochtouren. Bis zum Jahr 2009 sollen die sieben Mitarbeiter insgesamt 1.500 Stunden „Tagesschau“ sichern.
Fingerspitzengefühl gefragt
Am Schneidetisch von Margarete Reichenbach stapeln sich die schwarzen Pappboxen mit den Filmbändern. „ARD Tagesschau Hamburg“ steht eingeprägt auf dem Deckel. Sie ist eine der Mitarbeiterinnen, die zuerst die Filme reinigen und von den Klebebändern an den Schnittstellen befreien. „Hier braucht man ruhige Hände, gute Augen und viel Geduld.“ Schere und Pinzette liegen fein säuberlich aufgereiht. Die gelernte Schneiderin befeuchtet ein kleines Tuch mit Alkohol und streicht vorsichtig über das Filmband. Nach wenigen Wiederholungen ist das Tuch schon leicht schwarz gefärbt.
Die Schnitte der einzelnen Filmszenen sind mit Klebeband zusammengefügt. Die Klebestellen sind mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. Das Filmband läuft unter der Handfläche von Margarete Reichenbach durch. „Die Klebestellen ertaste ich“, sagt sie. Die Arbeit sei ähnlich wie in einer Schneiderei. „Ein guter Zuschnitt ist die halbe Miete“. Ganz zum Schluss zieht sie sich die weißen Stoffhandschuhe an und wirft einen letzten prüfenden Blick auf das Band. Der Staub der Geschichte ist weg. Sogar zu Hause lässt sie die Arbeit nicht los. Wenn im Fernsehen ältere Filme laufen, dann wirft sie schon mal einen ganz besonders kritischen Blick darauf.
Filme gehen baden
Nach der Reinigung wandern die Filme in den Keller zu Dirk Ronneburg. Herzstück seines Arbeitsplatzes ist der mannshohe Abtaster. Daneben steht eine sogenannte Cord-Maschine, mit der die Tonbänder eingelesen werden. Die Bänder werden trocken oder nass abgetastet, in den Computer eingelesen und auf eine Festplatte gespeichert. Das Bad in der Chlorlösung verschließt kleine Bruchstellen auf dem Band. „Das Perchlor hat den Vorteil, dass es sehr schnell verdunstet und die Datenqualität deutlich erhöht“, sagt Dirk Ronneburg. Wenn das Band wieder aufgerollt wird, ist es längst trocken. Am Ende dieses Prozesses liegen dann die Ton- und Filmdaten in unkomprimierter Form vor.
Ein paar Meter weiter sitzen Stefan Keil und Jörg Schramme. Von ihrem Arbeitsplatz aus haben sie direkten Zugriff auf die gespeicherten Filme. Sie bearbeiten die Beiträge und setzen sie in der richtigen Reihenfolge zusammen. Es verlangt hohe Konzentration, eventuelle Unregelmäßigkeiten auf den Bändern zu entdecken. Mit einem Knopfdruck wird das fertige Filmmaterial auf den digitalen Datenträger, ein sogenanntes IMX-Band, überspielt.
Bevor die türkisfarbenen Kassetten ihren Weg nach Hamburg antreten, müssen sie noch vor den kritischen Augen von Steffen Hofmann bestehen. In seinem abgedunkelten Raum kontrolliert er jede Einstellung. Die Farben, den Ton sowie die Video- und Audiopegel überprüft er mit vielfältigem technischem Equipment. „Die Qualität muss hundertprozentig stimmen“, sagt Steffen Hofmann und richtet den Blick geradeaus auf den Monitor, auf dem gerade ein „Tagesschau“-Bericht über den Koreakrieg erscheint.
Pressemitteilung © DREFA MSG 04/2007












